Wissenswertes rund um den Gussasphalt

Gussasphalt ist einer der ältesten Baustoffe der Welt, seine Geschichte reicht zurück bis vor rund 4000 Jahre vor Christi. In China sowie im Nahen Osten wusste man schon in der damaligen Zeit über die positiven Eigenschaften des Gussasphalts Bescheid. In der damaligen Zeit wurde der Belag wie ein Mörtel verarbeitet (was auch bis heute noch teilweise zutrifft).

Das Material war schlicht und einfach ein aus der Erde austretendes Rohöl (Bitumen), das mit Gestein vermischt und wie ein Mörtel eingebaut wurde. Es konnte also nur dort verwendet werden, wo es „natürlich“ vorkam.

In unseren Breiten fand der Gussasphalt Anfang des 20. Jahrhunderts, also vor mehr als 120 Jahren, seinen Einzug und viele berühmte Plätze und Gebäude wurden mit diesem Belag ausgestattet. Beispiele hierfür sind die Wiener Ringstraße, der Michaela-Platz, Prateralleen, der Vorplatz des Wiener Rathauses sowie auch viele Gehwege in  Schönbrunn. Natürlich hat sich seit der ersten Entdeckung dieses Produktes einiges verändert, sodass die Erzeugung weit professioneller und automatisierter in Asphaltmischanlagen stattfindet als zu Beginn der Verarbeitung.

einfahrt
Der 5 Sterne Belag
5/5

Herstellung und Verarbeitung

Die Erzeugung des Gussasphaltes erfolgt in unserer speziell hierfür adaptierten Asphaltmischanlage in Graz. Die Zusatzstoffe wie Sand und Splitt werden in einer Trockentrommel getrocknet, erhitzt und entstaubt.  Die zuvor genannten Kornfraktionen (Sand, Splitt) kommen anschließend getrennt und dosiert in den Mischer. Danach wird aus den Gussasphaltsilos der Füllstoff und aus dem Bitumentank das erforderliche Bitumen beigefügt. Abschließend wird im Zuge des Mischvorganges das Material bei bis zu 235 Grad gemischt und direkt in einen fahrbaren Gussasphaltkocher (LKW) eingefüllt. Mittels diesem LKW wird der Gussasphalt zur Baustelle transportiert, wobei das Material laufend bei gleichbleibender Temperatur durchgerührt wird. Dieser Vorgang ist notwendig, um den Asphalt in seiner flüssigen Konsistenz zu halten und somit den händischen Einbau des Materials zu erleichtern. Ab diesem Zeitpunkt ist der maschinelle Teil der Fertigung vorbei; ab jetzt ist Handarbeit angesagt. Der Gussasphalt wird in Holzkübeln abgefüllt, händisch zur Einbaustelle getragen und ebendort geleert. Anschließend wird der Gussasphalt mit einem hölzernen Abziehholz (Streicher) verstrichen. Hierbei kommt es auf ein genaues Zusammenspiel von Kübelträger und Streicher an, da nur dadurch höchste Einbauqualität erreicht werden kann.  Während des Einbaues und dem Glattstreichen der Flächen kommt ein weiterer sensibler Arbeitsschritt zur Anwendung, nämlich das gekonnte und mit Fingerspitzengefühl ausgeführte Einstreuen von den gewünschten Splitten, Sanden oder farbgebenden Zusatzmitteln. Zeitgleich erfolgt das sanfte Abwalzen und das Nachbessern der Anschlussfugen. Damit ist der Gussasphalt fertig. Noch abkühlen lassen und schon ist er benutzbar.

Gestaltungsmöglichkeiten

Grundsätzlich ist Gussasphalt schwarz. Es sind trotz dieses Umstandes viele Farbgestaltungen möglich. Durch die Einstreuung von sogenannten Fahrchips können sehr individuelle Muster und Designs hergestellt werden.Es kann durch eine weitere Oberflächenbehandlung (etwa durch Schleifen und Versiegeln) zusätzlich ein „Guss-Terrazzoboden“ hergestellt werden. Auch hier ist mit der Zugabe verschiedener Gesteinsmaterialien ein „klassischer Boden“ wie zum Beispiel aus den Nachkriegsjahren herstellbar.

kunstgalerie
Gussasphalt als Hingucker in einer Kunstausstellung

Besondere Eigenschaften/Vorteile

Video aus der Praxis

Die typischen Aufbauarten des Gussasphalts

Aufbauvariante 1

Die erste Aufbauschicht ist diejenige, die sehr häufig zur Verwendung kommt und einen relativ einfachen Bodenkonstruktionsaufwand darstellt. Aufgebaut ist diese Schicht mit einer Unterbetonschicht oder einem ähnlich festen Untergrund wie Asphalt oder dergleichen. Auf diesem Untergrund wird eine Mehrschichtdämmplatte mit integrierter Trittschalldämmung verlegt. Auf diese Dämmung beziehungsweise Platte wird ein Baupapier verlegt. Das Baupapier ist ein atmungsaktives Papier (Karton), welches dampfbremsende Eigenschaften besitzt und als Trennschicht zwischen Dämmung und dem fertigen Gussasphaltoberbelag fungiert. Zuletzt wird der Gussasphalt (eventuell mit Einsatz von Farbchips) aufgetragen.

Aufbauvariante 2

Die zweite Aufbauschicht ist die Verwendung des Gussasphalts als Estrich. Hierfür wird eine Kiesschicht (Schüttung) auf die Rohbetondecke beziehungsweise auf den Unterbelag aufgebracht. Auf diese Schüttung wird eine Dämmplatte verlegt, um eine Wärmedämmung und einen Schallschutz zu gewährleisten. Auf diese Dämmplatte wird ein Baupapier verlegt, welches die Platten vom abgeriebenen Estrich (Gussasphalt) trennt. Als letzte Schicht kann ein Belag aufgebracht werden wie zB ein Polyvinylchlorid-Boden (PVC-Belag).

Aufbauvariante 3

Die dritte Variante ist eine Verwendungsmöglichkeit, die als Oberbelag den Gussasphalt mit sämtlichen Mustern enthält. Aufgebaut ist diese wieder beginnend mit einer Unterbetonschicht oder ähnlichem. Danach erfolgt eine Abdichtung mithilfe einer Feuchtigkeitsisolierung. Auf diese Abdichtung werden zwei Dämmplatten verlegt; eine Ultragard- und eine Fesco Boardplatte. Nach diesen beiden Dämmplatten wird die Baupapierschicht aufgetragen und zuletzt der Hartgussasphalt, der schließlich den fertigen Boden darstellt.

Aufbauvariante 4

Es ist auch möglich, Naturböden auf Gussasphaltestrich zu verlegen, zum Beispiel einen Schwebeparkettboden oder dergleichen. Für diese Art des Aufbaus wird auf der Unterbetonschicht ein Kiesbett verlegt sowie eine Dämmplatte und eine Trennschicht aus Baupapier. Anstatt eines herkömmlichen Estrichbetons wird bei dieser Methode auf den abgeriebenen Gussasphalt gesetzt. Danach kann das Naturparkett auf einer weichen Korkunterlage verlegt werden.

Aufbauvariante 5

Diese Variante ist die am häufigsten verwendete Einbauart. Hier wird der Gussasphalt direkt auf einen festen Untergrund, welcher im Regelfall aus einer bestehenden Rohbetonplatte bzw. unbehandelter Betonoberfläche besteht, mittels Trennlage (Baupapier) eingebracht. Das Baupapier wird aufgeleget, um eine eventuelle Rissbildung der neuen Gussasphaltoberfläche zu vermeiden.